Überfälle, Religion und Königsmord

Wikinger und all die Plünderungen und Besiedlungen, die damit verbunden sind, sind ein wichtiger Bestandteil, der dänischen, sowie der Weltgeschichte. Die ersten Angriffe auf England und der offizielle Beginn des Wikinger-Zeitalters war 793. Die Wikinger-Zeit dauerte bis Mitte 1000 an.

Die Welt ist nicht so übel, man muß sie nur zu nehmen wissen. H.C. Andersen

Zu jener Zeit war Dänemark einem starken Wandel und zahlreichen Veränderungen unterlegen – Von einem Land, indem man sich problemlos gegenseitig ermordete, sobald man sich im Weg stand, zu einem Land, indem Christentum eine wichtige Rolle spielte und der Beginn eines christlichen Landes eingeläutet wurde. Während dieser Zeit haben viele nordische Könige ihren Fußabdruck in der Geschichte hinterlassen. Einer sticht jedoch ganz besonders hervor.

Gegen Ende des Wikinger-Zeitalters, im Jahre 1042, wurde ein kleiner Junge geboren. Dieser Junge war der Sohn des damaligen Königs Sweyn II Estridsson und einer unbekannten Dame. Sweyn II hatte um die 20 Kinder mit zahlreichen Frauen. Knut war der zweitälteste und einer der fünf Kinder, die auf dem Thron landeten. Während seiner Jugend, nahm er an zahlreichen Plünderungen teil – sowohl mit seinem Vater als auch eine unter seiner eigenen Führung. Diese Plünderungen hatten England zum Ziel, welches zu jener Zeit von William dem Eroberer regiert wurde. Trotz zahlreicher Versuche konnte Dänemarks Flotte William nicht vertreiben und der Versuch der Wiedervereinigung von Dänemark und England scheiterte.

König Sweyn II verstarb 1076 und der Adel musste einen neuen König wählen. Knut wurde von seinem Vater sehr geliebt, weshalb Sweyn Knut gerne als seinen Nachfolger gesehen hätte. Nichts desto trotz, wählte der Adel Harald III Hen, Knuts Bruder, auf den Thron. Knut floh ins Exil nach Schweden und war vermutlich Teil der Opposition gegen Harald. Vier Jahre später starb Harald und Knut wurde 1080 zum König von Dänemark ernannt.

In seiner Rolle als König war Knut sehr ehrgeizig, selbstsicher, intelligent, religiös und mit viel militärischer Erfahrung im Gepäck. Ob Knut ein aggressiver König war, der seine Leute quälte, oder ein strenger, jedoch fairer König, der sich für die Kirche, deren Ideale und gleiche Rechte für alle, unwichtig welchen Status man hatte, einsetzte, kann diskutiert werden. Nichts desto trotz, der Fokus, den Knut als König hatte, war es, die dänische Monarchie zu stärken – und dafür tat er alles was in seiner Macht stand. Angetrieben von der Religion, war er großzügig den Armen gegenüber und beschützte die Schwachen. Verhielt man sich jedoch treulos, wurde man schwer bestraft.

Während seiner Regierungsperiode arbeitete Knut an der Verbesserung der Gesetzeslage und wurde dabei intensiv von der Kirche beeinflusst. Er schuf zahlreiche Steuern und Bußgelder, die auf große Abneigung trafen. Der größte Widerstand wurde von Knuts Wunsch, England zu erobern, provoziert. Der ehrgeizige König war davon überzeugt, dass ihm die englische Krone gebührte, da er der Großneffe von Knut dem Großen war, welcher England bis 1035 regierte. Aus diesem Grund beschloss Knut seine Flotte in Limfjorden in Nord-Jutland zu versammeln, um einen großen Überfall auf England vorzubereiten.

Der Plan war einfach – sich mit der Flotte zu treffen, nach England zu segeln und in das Land einzumarschieren. Jedoch verlief dabei nichts nach Plan. Knut wurde aufgrund einer Drohung des Heiligen Römischen Kaisers Henry IV möglicherweise in Dänemark einzumarschieren, in Schleswig aufgehalten. Folge dessen, da Knut sich nicht mit der Flotte traf, wollten viele Krieger nicht länger warten und sie wählten Knuts Bruder Olaf, um in ihrem Namen zu sprechen. Sie wollten rechtzeitig für die Ernte-Saison zu Hause sein, da der Großteil der Flotte Bauern und keine Krieger waren. Hätten sie jedoch einfach einen Rückzug gemacht, so würde ihnen eine Strafe oder Bußgeld drohen.

Trotz des gescheiterten Versuches von Olaf und dem drohenden Bußgeld wurde die Flotte aufgelöst und die Bauern gingen nach Hause für die Ernte. Der ehrgeizige Knut war enttäuscht und wütend und wurde noch strenger in seinem Führungsverhalten. Nach einem Jahr war er ans Ende seiner Geduld angelangt und versammelt die Flotte erneut. Mit diesem Aufruf zur erneuten Versammlung brach ein Bauern-Streik aus und Knut flüchtete zunächst nach Schleswig und im Anschluss nach Odense.

König Knut ermordert in der Kathedrale

Am 10. Juli 1086 suchte Knut gemeinsam mit seinem Bruder Benedict und 17 Anhängern in der hölzernen Albani-Kirche Schutz. Knut, religiös wie er war, ging auf die Knie und betete zu Gott für sein Leben, und hoffte darauf, dass ihm in Gottes Haus keiner Schaden zufügen würde. Leider konnten die hölzernen Türen nicht standhalten und alle 17 Anhänger wurden getötet. Knut akzeptierte sein Schicksal, kniete vor dem Altar nieder und wurde letztendlich von einem Speer ums Leben gebracht.

Dänemark wurde mit der Zeit immer religiöser und in den Jahren nach dem Mord an Knut war das Land von Ernteausfällen geplagt. Viele betrachteten dies als Gottes Strafe für den Mord an Knut. Dies im Zusammenhang mit den zahlreichen kleinen Wundern, die an Knuts Grab beobachtet wurden, begann der Prozess der Heiligsprechung von Knut. Seine Knochen wurden 1095 ausgegraben und unterliefen zahlreiche Tests um die Frage, ob er ein Heiliger war, nachzugehen. Die Tests waren positiv und 1100 wurde Knut von der katholischen Kirche der Heiligenstatus anerkannt und in die neue Kathedrale von Odense verlegt.

Wahrscheinlich kaum überraschend, Knut der Heilige wurde niemals ein wirklich populärer Heiliger unter Dänen. Nichts desto trotz, war er äußerst wichtig für die königliche Familie, die plötzlich mit Gott durch den königlichen Heiligen in Verbindung stand. Knuts Heiligenstatus wurde auch als Argument dafür verwendet, den gleichen Weg wie Knut während seiner Herrschaft einzuschlagen.

Die Überreste von Knut und seinem Bruder können auch heute noch in der Kathedrale in Odense, der Sankt Knuts Kirche, betrachtet werden. Gleich in der Nähe, an der Stelle an der Knut ermordet wurde, finden Sie auch eine Statue des Heiligen.

Artikel von Sofie Schäfler